Tabuthema Nationalsozialismus

Es hat ein paar Monate gedauert, bis ich mich zu diesem Blogbeitrag durchringen konnte – ich schreibe sehr viel lieber über den Zauber des Gesichtlesens und all die lichtvollen Seiten, die es mit sich bringen kann. Das ändert aber einerseits nichts an den „Schattenseiten“ und kann andererseits Vorurteile, berechtigte Fragen und offen ausgesprochene Beschuldigungen nicht aus der Welt räumen.

In meinem Alltag befinde ich mich immer wieder in Gesprächen, die das Gesichtlesen mit dem Nationalsozialismus in Verbindung bringen. Die Intensionen sind facettenreich: von ehrlichem Interesse bis zu aggressiven „Killerphrasen“ – die Bandbreite der Tonalität ist beeindruckend.

Klartext: Gesichtlesen und Nationalsozialismus

Um es vorwegzunehmen: Ja – im Dritten Reich wurden Teilbereiche des Gesichtlesens zur Kategorisierung von Menschen genutzt und angebliche Erkenntnisse als „Nachweis einer Rassenzugehörigkeit“ betrachtet.

An dieser Stelle betone ich deutlich, dass ich jegliches nationalsozialistisches Gedankengut zutiefst verurteile und Menschen- und Rassenkategorisierungen von Grund auf ablehne und ihnen widerspreche.

Hintergund: Gesichtlesen und Nationalsozialismus

Einer der härtesten und, offen gesprochen, auch lächerlichsten Aussagen in einem jener Gespräche: „Gesichtlesen haben die Nazis erfunden“. Diese Aussage ist schlichtweg falsch und entbehrt jegliche Grundlage. Wie an anderen Stellen in diesem Blog genauer erklärt, finden wir Hinweise auf die Lehren des Gesichtlesens in sämtlichen Hochkulturen dieser Welt. Sei es Hippokrates, Paracelsus, Konfizius oder Aristoteles, um nur einige zu nennen. Sie alle haben sich nachweislich mit der Sprache des Gesichtes beschäftigt. Selbst in der Bibel gibt es Hinweise auf die Verbindung der Beschaffenheit von Gesichtsmerkmalen und Persönlichkeitseigenschaften.

Das Gesichtlesen findet sich auf allen Kontinenten wieder, was diverse Lesearten und unterschiedliche Herangehensweisen erklärt. Während die Antlitzdiagnostiker auf Färbungen und Schwellungen im Gesicht schauen, beziehen die chinesischen SiangMien- Meister beispielsweise Muttermale in ihre Lesung mit ein, die für andere Gesichtleser keine Rolle spielen. Eine weitere Art des Gesichtlesens ist die Physiognomik, die europäischen Ursprung hat. Neben vielen weiteren Aspekten werden in dieser Leseart auch bestimmte Strukturen des Schädels analysiert. Und genau hier finden wir die augenscheinliche Verbindung zum Dritten Reich, in dem die sogenannte Phrenologie zur falschen Kategorisierung von Menschen benutzt wurde.

Die Phrenologie – artverwandt, aber nicht gleichzusetzen mit der Physiognomik, beschäftigte sich mit der Form und Beschaffenheit von Schädel und Gehirn. Angebliche Erkenntnisse wurden als Werkzeug der Rassenkunde genutzt und im Zuge von nationalsozialistischen Ideologien missbraucht. Inzwischen ist die Phrenologie durch wissenschaftliche Forschungen widerlegt und steht auch in keiner Verbindung zu den heutigen Erkenntnissen der Physiognomik.

Mein Commitment zum Gesichtlesen

So abscheulich ich eben beschriebene Auswüchse finde, so sehr sage ich trotzdem JA zum Gesichtlesen.

Die Gefahr des Missbrauchs von gesichtleserischem Wissen – auch am Beispiel der Nationalsozialisten – existiert und sollte jedem Gesichtleser mehr als bewusst sein. Wie in vermutlich allen anderen Wissensbereichen: Wissen ist Macht und Macht braucht Verantwortung! Aus diesem Grund trage ich die Überzeugung in mir, dass dieses Wissen nur in die Hände und Köpfe von Menschen gelangen sollte, die entsprechende Haltungen und Verantwortungsbereitschaft mitbringen. Auch deshalb halte ich mich strikt an einen Ehrenkodex und lehre diesen ausdrücklich und bedingungslos in meinen Seminaren.

Die Tatsache, dass artverwandtes Wissen in einem dunklen Kapitel unserer Geschichte missbraucht wurde, kann mich nicht davon abhalten, all das Licht und die Zuversicht, die das Gesichtlesen in die Welt bringen kann, eben auch in diese Welt zu bringen – nicht um zu zerstören, sondern um zu bereichern. Aus Metall können tödliche Waffen hergestellt werden und verbindende Schmuckstücke. Wäre es richtig, auf all die liebevollen Symbole der Verbindung in Form von Schmuck zu verzichten, aufgrund der Tatsache, dass aus dem gleichen Material eben auch Kriegswerkzeuge und Mordinstrumente  hergestellt werden?

In erwähnten Gesprächen überprüfe ich inzwischen sehr genau, um was es eigentlich geht. Ist es ein Meinungsaustausch, eine sich gegenseitig wertschätzende Diskussion und auch eine berechtigte Überprüfung meiner Haltung und Intension? Oder ist mein Gegenüber gar nicht interessiert an einem fairen Diskurs, sondern sucht lediglich nach einem „Totschlag-Argument“ um welchem Bedürfnis auch immer nachzukommen?

Ich halte es für wichtig und richtig, dass Gefahren und Zweifel offen angesprochen sowie Intensionen und Hintergründe überprüft werden – egal in welchen Themenbereichen. Allerdings schmerzt es mich, wenn Verurteilung und Tabuisierungen aufgrund von undifferenzierten Betrachtungsweisen entstehen. Und es ist für mich eine Herzensmission, den Fokus nicht auf Schwerter und Speere zu legen, sondern das Fundament für innere Schätze und Juwelen zu schenken.

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