Gesichtlesen in der Wirtschaft

von | 08.02.2026 | Panoramablick

Gesichtlesen in der Wirtschaft – wozu eigentlich?

Ich erlebe immer wieder, wie sehr Gesichtlesen fasziniert und gleichzeitig höre ich erstaunlich oft die Frage: „Wofür kann ich das denn einsetzen?“ Oder: „Was habe ich davon, wenn ich das kann?“

Die Fragen machen mich oft perplex und ich stottere bei den Antworten – weil ich am Ende gar nicht weiß, wo ich anfangen soll mit der Vielzahl an Einsatzmöglichkeiten

Genau deshalb eröffne ich mit diesem Beitrag eine kleine Serie zu den Einsatzmöglichkeiten des Gesichtlesens und erzähle euch aus dem „real live“ wo und wie die Teilnehmer meiner Seminare das Gesichtlesen für sich einsetzen. Heute beginnen wir mit der Wirtschaft, mit dem sogenannten „harten Businessleben“.

Und vorab gesagt – auch wenn das von den ein oder anderen Menschen durchaus „negiert“ werden möchte: Wirtschaft ist am Ende nichts anderes als ein hochkomplexes Beziehungsgeflecht. Und genau diese Tatsache macht Gesichtlesen so relevant!

Der langfristige Nutzen des Gesichtlesens

Tatsächlich ist es so, dass wir immer mehr Seminarrechnungen an die Arbeitgeber unserer Teilnehmer schreiben. Warum? Weil es gelingt, für den Arbeitgeber den konkreten Mehrwert des Seminars für den Arbeitskontext sichtbar zu machen. Oft entstehen daraus dann langfristige Zusammenarbeiten – weil es nicht nur „gute Überzeugungsarbeit“ war, sondern nachweislicher und nachhaltiger Mehrwert.

Recruiting – den Menschen sehen, nicht nur den Lebenslauf

Ein Kunde aus der Wirtschaft schickte mir über längere Zeit regelmäßig Bewerbungsfotos mit der Bitte um eine Gesichtsanalyse: „Passt diese Person auf den Job?“

Irgendwann – ich gebe es offen zu – begann mich das zu nerven: Es kostete mich immer wieder viel Zeit und ich mag ja „Hilfe zur Selbsthilfe“. Also schlug ich vor, er möge selbst mal zu einem meiner Seminare kommen. Damit habe ich mir mein eigenes Geschäft zerstört. 😉 Jetzt braucht er mich nicht mehr.

Studien zeigen, dass jede dritte Neueinstellung innerhalb der ersten sechs Monate wieder aufgelöst wird. Aus Gesprächen mit Teilnehmer:innen aus Recruiting- und Headhunter-Bereichen weiß ich, wie sehr der bewusste Blick ins Gesicht helfen kann, Menschen passender einzusetzen: im richtigen Aufgabenfeld, im richtigen Team.

Es geht nie darum, Menschen in „richtig“ oder „falsch“ einzuteilen. Es geht darum, sie achtsam zu verstehen – und verborgene Talente wahrzunehmen.

Das Gesicht erzählt nichts über Abschlüsse oder Lebensläufe. Aber es gibt Hinweise auf Arbeitsweisen, Motivatoren, Teamverhalten und innere Antreiber. Genau diese „weichen Faktoren“ entscheiden oft darüber, ob Zusammenarbeit langfristig gelingt.

Fehlbesetzungen sind menschlich anstrengend und wirtschaftlich teuer – für alle Beteiligten – Gesichtlesen kann hier maßgeblich zur Prävention beitragen!

Personalabteilung – Potenziale erkennen statt nur Funktionen verwalten

Ob Umstrukturierungen, Karriereplanung oder Kündigungsgespräche – ein Teilnehmer aus der Personalabteilung schickt mir regelmäßig Sprachnachrichten voller Erleichterung. Weil Gespräche friedlicher, klarer und zugleich menschlicher verlaufen sind, als er es erwartet hätte.

Umstrukturierungen sind in unserer heutigen Arbeitswelt kaum vermeidbar. Umso wertvoller ist es, wenn aus möglichen Lose-Lose-Situationen echte Win-Win-Momente entstehen.

Oft ist klar, welche Positionen gebraucht werden. Unklar bleibt häufig, welche Potenziale in langjährigen Mitarbeitenden noch schlummern – jenseits dessen, was sie bisher gezeigt haben. Der neutrale Blick ins Gesicht kann helfen, Erfahrung mit bislang ungesehenen Talenten zu verbinden. Angst und Demotivation weichen so nicht selten neuer Orientierung und frischem Wind.

Mitarbeiterführung – verstehen, wie andere denken

Hand aufs Herz: Gibt es auch nur eine Führungskraft, die sich nicht schon einmal gefragt hat: „Warum machen die eigentlich nicht einfach das, was sie sollen?“

Und ja – auch ich sitze manchmal kopfschüttelnd an meinem Schreibtisch und trainiere meine Kiefermuskulatur. In diesen Situationen hilft es mir sehr – mich kurz zu besinnen auf mein eigenes Schaffensfeld, mir das Gesicht vor Augen (oder auf den Bildschirm) zu holen und mich zu fragen: „Geht das für sie oder ihn wirklich so, wie ich mir das gerade vorstelle?“ Oder braucht diese Person einen anderen Weg – einen, der ihr mehr liegt als mir?

Wir denken so, wie unser eigenes Gehirn es bevorzugt, und unterstellen oft unbewusst, dass andere genauso funktionieren. Gesichtlesen gibt eine erstaunlich klare Idee davon, wie andere Menschen denken, fühlen und handeln. Das führt zu Verständnis statt Ärger – und zu Lösungen statt Blockaden.

Und ja: oft auch zu einem gesünderen Herzschlag.

Koordination & Projektmanagement – Brücken statt Reibung

Projekte scheitern selten am fachlichen Know-how. Sie scheitern in aller Regel an Kommunikation. An Missverständnissen. An unausgesprochenen Erwartungen.

Gerade dort, wo Verantwortung ohne disziplinarische Führung getragen wird, ist die zwischenmenschliche Ebene entscheidend. Gesichtlesen unterstützt dabei, Kommunikationsstile und Erwartungshaltungen früh zu erkennen – und auch in herausfordernden Situationen souverän zu bleiben.

So kann der Fokus wieder auf dem Projekt liegen – statt auf dem „Drumherum“.

Vertrieb & Marketing – Bedürfnisorientierung statt Druck

Hier denke ich sofort an eine Seminarteilnehmerin, die schon vor dem Gesichtlesen eine verboten gute Vertrieblerin war. Seit sie das Gesichtlesen erlernt hat, verbindet sie mit so einer Leichtigkeit den ihr eigenen Charme und Witz mit der treffsicheren und sekundenschnellen Bedürfnis-Ermittlung ihres Gegenübers, dass mir zugegebenermaßen die Spucke wegbleibt…

Manchmal darf ich Zeugin davon werden, wie sie grinsend zurückkommt und mir ihr typisches „erledigt“-Zwinkern schenkt… Dann frage ich sie: „Wie hast du das jetzt gemacht???“ Und sie sagt: „Anne – schau ins Gesicht. Bau ein Kissen. Argumentiere passend. Lächle. Reiche den Stift.“

Was zunächst wie Manipulation klingt, entpuppt sich spätestens dann als Gegenteil, wenn zwei Tage später eine Dankesmail des Kunden kommt – voller Wertschätzung für Klarheit, Wärme und Ehrlichkeit.

Gesichtlesen im Vertrieb bedeutet nicht, Menschen zu überreden. Es bedeutet, ihnen auf Augenhöhe zu begegnen.

Und um es kurz zu erwähnen: Für mich verkauft sie manchmal Seminare und „schlechte Nachrichten“. In ihrem normalen Leben verkauft sie Baumaschinen und Werkzeuge im Großhandel – immer mit der gleichen Herangehensweise, wie sie mir glaubhaft vermittelt!

Ein Highlight zum Abschluss

Gesichtlesen in der Wirtschaft bedeutet nicht, „Gesichtleser:in zu sein“ oder so aufzutreten.
Es geht darum, das Wissen zu nutzen, um den eigenen Arbeitsbereich zu erleichtern. Zwischenmenschliche Stolpersteine werden sichtbar. Missverständnisse verlieren an Schärfe. Energie fließt wieder in das Wesentliche: in Projekte, in Lösungen, in Zusammenarbeit.

Und vielleicht ist genau das der größte wirtschaftliche Nutzen.

Abschließend möchte ich hier noch die persönliche Reflexion einer Führungskraft teilen, die die Intensivausbildung durchlaufen hat – und in wenigen Minuten konkret benennt, welche Mehrwerte des Gesichtlesens sich im Alltag entfaltet haben.