Gastbeitrag: Die Psycho-Physiognomik – einfach nur „kaltes Lesen”? – Teil 1

von | 01.11.2026 | Panoramablick

Gesichter lesen – eine wunderbare Disziplin

Wenn mich jemand fragt, was ich so mache, dann antworte ich gerne: „Ich lese Gesichter.“ Dass jemand nachfragt, nach welcher Methode ich denn lese, ist bislang nicht vorgekommen. Zu unbekannt ist diese wunderbare Disziplin, als dass sich die Menschen über die dahinterstehende Lehre Gedanken machen, und zu verblüfft sind sie über die Erkenntnis, dass man überhaupt in Gesichtern lesen kann. Stärken, Talente, innere Trigger – all das soll durch einen einfachen, wertschätzenden Blick ins Gesicht oder sogar nur auf ein Foto möglich sein?

Zwei Lehren, zwei Lager

Schaut man jedoch in die Kreise der Gesichtleser selbst, so zeigt sich eine klare Lagerbildung. Es fühlt sich geradezu an, als ob eine Kluft, ein großer Graben zwischen den Disziplinen, insbesondere der Psycho-Physiognomik und dem chinesischen Xiang Mien liegt. Und dieser Streit wird auch recht unverhohlen ausgetragen. Für die Anhänger des chinesischen Gesichtlesens stehen Physiognomiker im Verdacht, nur „Kaltes Lesen“ zu praktizieren. Was durchaus als abschätziger oder moralischer Vorwurf gewertet werden darf. Für viele klassische Physiognomiker hingegen sind chinesische Gesichtsformen, intuitives Lesen oder archetypische Metaphern einfach nur „esoterische Spinnerei“. Auch nicht nett.

Mein Weg zwischen Psycho-Physiognomik und Xiang Mien

Und auf welcher Seite des Grabens stehe ich? Nun, ich habe zunächst eine sehr intensive Ausbildung in der Psycho-Physiognomik absolviert. Anschließend habe ich mein Wissen einige Jahre angewandt und immer weiter vertieft, bis ich schließlich ein tiefes Vertrauen in die Psycho-Physiognomik und ihre zahlreichen Anwendungsmöglichkeiten gefasst habe. Sei es in der Vorbereitung auf wichtige Gespräche und Verhandlungen, in der Konfliktlösung, in der talentorientierten beruflichen Entwicklung, im Recruiting oder einfach in kurzen Speed-Readings im privaten Umfeld.

Wie eine neue Welt des Gesichtlesens entstand

Irgendwann bin ich auf das chinesische Xiang Mien aufmerksam geworden. Und dann habe ich Anne Fierhauser kennengelernt. Und ich muss sagen – ich war massiv irritiert: Irgendwie passte das nicht zu dem, was ich gelernt und bereits erfolgreich angewandt hatte. Das konnte doch kein Gesichtlesen sein? Und trotzdem war es faszinierend. Ich staunte über eine neue Welt, die sich plötzlich vor mir auftat. Also besuchte ich Annes Seminar „Talente & Potenziale im Gesicht erkennen“, absolvierte ihre Intensivausbildung und war Teilnehmer ihrer ersten „Meisterklasse“. Dabei habe ich nicht nur wundervolle Menschen kennenlernen, sondern auch den Zauber des Xiang Mien erleben dürfen. Und bei aller Begeisterung – mein persönlicher Gesichtlese-Kern ist die Psycho-Physiognomik geblieben, nun aber angereichert durch viele neue Sichten und Ebenen, auf denen ich mich heute den Menschen und ihren Seelen nähern kann.

Zwei Wege, ein Ziel – und scheinbare Widersprüche

Beide Lehren sind also wunderbar. Beide kommen zum Ziel. Beide besitzen eine magnetische Anziehungskraft – aber genau wie zwei Magneten scheinen sie sich auch gegenseitig abzustoßen, wenn sie nicht richtig zueinander liegen. Wie kann bei beidem das Richtige herauskommen, wenn die Wege dahin so unterschiedlich erscheinen? Wie lassen sich scheinbare Unterschiede, ja teilweise sogar widersprüchlich erscheinende Interpretationen und Ableitungen erklären?

Die Suche nach der verbindenden Kraft

An dieser Stelle muss ich ergänzen, dass ich die Lebensaufgabe der Ausgewogenheit* in mir trage. Die Suche nach Gemeinsamkeiten, das Zusammenbringen scheinbarer Gegensätze, die innere Überzeugung, dass jeder Widerspruch entweder erklärbar oder eine willkommene Ergänzung ist, ist ein innerer Antrieb in mir. Und ich konnte gar nicht anders, als beide Welten des Gesichtlesens immer wieder übereinander zu legen. Nicht um zu entscheiden, welche Methode besser ist oder welche mehr Recht hat. Sondern getrieben von der Suche nach einer neuen Kraft, die durch die Zusammenführung zweier jahrhundertealter Lehren entstehen darf, das Beste aus zwei Welten zusammenführt und das Gesichtlesen selbst auf ein neues Level hebt.

More to come…

Aber worin unterscheiden sich die beiden Methoden eigentlich? Diese Frage möchte ich euch ausführlich in der Fortführung dieses Beitrags in zwei Wochen beantworten – diese und, ihr ahnt es schon, natürlich auch die Frage, wie sie bei all den Unterscheiden zueinander finden können. Seid gespannt!

* siehe „Das LebensaufgabenSystem” von Anne Fierhauser und Anne Dschietzig, 2024