Habt Ihr schonmal bewusst darauf geachtet, in welcher Höhe die Ohren am Kopf angesetzt sind? Nein? Na das wird sich jetzt vermutlich ändern…

Am besten lässt sich die Ohrenhöhe definieren, wenn wir gedanklich jeweils eine horizontale Linie durch die Augenbrauen und an der Nasenspitze entlang ziehen. Idealerweise liegen die Ohren zwischen diesen beiden Linien. Wenn die obere Ohrenkante über den Augenbrauen steht, sprechen wir von hochstehenden Ohren. Reichen die Ohren unter die Nasenspitzenlinie und erreichen die Augenbrauen nicht, sondern schließen auf Augen- oder gar Nasenwurzelhöhe ab sind es tiefsitzende Ohren – und genau um diese soll es heute gehen.

Würde ich die tiefsitzenden Ohren kurz und knapp zusammenfassen müssen, täte ich dies wohl mit „braucht für alles Zeit“.

Tatsächlich haben sie das Gefühl, etwas zu verpassen, wenn sie sich beeilen müssen, wodurch sich eine langsame, stetige und sorgfältige Herangehensweise ergibt. Details werden in Ruhe durchdacht, um Fehler zu vermeiden, Dinge abgewogen und die richtigen Momente abgewartet. Es bedarf schon einer inneren Stärke und einer gefestigten Persönlichkeit in der heutigen schnelllebigen Zeit seinem ureigenen Gefühl für ein gutes Timing zu vertrauen und dem Ehrgeiz die Dinge wirklich richtig machen zu wollen, zu folgen. Daraus kann sich natürlich auch eine übertriebene Gewissenhaftigkeit und ein nicht immer vorteilhafter Perfektionismus ergeben, der dazu führt, dass die Konzentration auf die kleinen, detaillierten Dinge den Blick auf die großen Chancen im Leben versperrt. So kann es dazu führen, dass wir den ein oder anderen Kandidaten mit tiefsitzenden Ohren finden, der zwar die Bereitschaft, hart zu arbeiten und sich anzustrengen mit sich bringt aber die fehlende Weltoffenheit und die Fähigkeit das große Ganze zu sehen von großen Erfolgen abhält.

Chinesische Gesichtleser sehen tiefsitzende Ohren als Hinweis darauf, dass Erfolge und Ziele erst später im Leben erreicht werden. Lilian Bridge beziffert es sogar und sagt, wenn der höchste Punkt der Ohren auf Höhe der Augen ist, ist in den 30igern damit zu rechnen, dass ihr Träger weiß was er will – ist jener Punkt auf Höhe der Nase, dauert es bis in die 40iger rein.

Es wird nicht zu Verwunderung führen, wenn ich an dieser Stelle von einer gewissen Entscheidungsträgheit spreche. Schnelle Entscheidungen können wir von jenen Zeitgenossen ganz sicher nicht erwarten. Die Sehnsucht nach Weisheit und Wissen ist viel stärker als der Entscheidungswille. Als guter Zuhörer ist die Bereitschaft, noch mehr zu hören oder aufzunehmen immer da und Wissen wird nun mal erst gewissenhaft gesammelt bevor dann entschieden wird.

Den tiefsitzenden Ohren wird auch eine Neigung zum Pessimismus nachgesagt – eventuell auch weil schon kleine Störungen zu dem Gefühl von Unsicherheit führen kann. Hohe Ansprüche an sich selbst und die Außenwelt tun ihr Übriges, um leicht enttäuscht zu werden.

Über sich selbst sagen sie, sie seien Realisten. Und ja, als Menschen, für die die Realität dominiert und der ständige Bezug zur Wirklichkeit wichtig ist, ist das durchaus richtig. Auf dem Boden der Tatsachen bleibend, ist Materielles wichtiger als Ideelles und umso tiefer die Ohren sitzen desto materieller wird die Einstellung des Trägers sein.

Wenn wir also einen Menschen mit tiefsitzenden Ohren um uns herumhaben, können wir von seiner Gewissenhaftigkeit, inneren Stärke und dem sicheren Gefühl für richtige Timings profitieren. Wir müssen allerdings auch in Kauf nehmen, dass eine gewisse Inflexibilität und Entscheidungsschwäche vorliegen. Zum „in den Wolken tanzen“ gibt es vermutlich bessere Tanzpartner – aber wollen wir ein sicheres Fundament, finden wir unter jenen Ohren potenziell die richtigen Verbündeten.