Die Augen sind das Tor zu Seele – das Sprichwort kennen wir alle und Gesichtleser schenken den Augen selbstverständlich erhöhte Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit dem Mund haben sie „das letzte Wort“ – soll heißen: die Wirkung der Augen und des Mundes dominiert – wie wir alle aus unserem Alltag wissen – die Wirkung eines Menschen und sollte immer besondere Beachtung bekommen.

Heute möchte ich mich mit dem Sitz der Augen beschäftigen. Als Pendant zu den vorstehenden Augen (auch wenig schmeichelhaft „Glubsch-Augen“ genannt), gibt es die tiefliegenden Augen. Sie liegen tief in den Höhlen – von der Seite aus gesehen weit hinter den Augenbrauenbögen.

Das sind Menschen die auf andere ruhig und entspannt wirken. Oft sind sie in sich gekehrt und verschlossen und denken als eher introvertierte Zeitgenossen mehr als sie sprechen. Dinge werden sorgfältig abgewogen und hinterfragt. Es bedarf Beweise, bevor etwas tatsächlich angenommen wird. Da sämtliche Informationen erstmal verarbeitet werden müssen, ist mit einer langsameren Reaktionszeit zu rechnen. Nur weil mit dem Kopf genickt wird, können wir noch lange nicht davon ausgehen, dass echtes Einverständnis gegeben wird. Im Inneren wird ständig überprüft und bewertet. Das kann im ungünstigsten Falle zu großer Skepsis und kritischer Lebenseinstellung führen weswegen vielleicht auch mit negativen Emotionen zu kämpfen ist.

Grundsätzlich sollten wir davon ausgehen, dass es eine Differenz zwischen Gefühlswelt und Außenwirkung gibt – es sind die Zeitgenossen, die im Innen weinen und im Außen lachen. Gefühle werden fest unter Kontrolle gehalten und das Innere wird mithilfe von Ernsthaftigkeit, Vorsicht und Reflektion geschützt. Hierdurch kann auch der Eindruck von Nachdenklichkeit und Reserviertheit entstehen. Nicht nur bei sich selbst, sondern auch bei anderen wird hinter den Vorhang geschaut und tief geschürft – negatives wird dadurch früher oder später zu Tage gefördert.

In Gesprächen beobachten sie andere bevor sie sich beteiligen oder aber antworten nur auf Nachfragen. Sie sind ausgesprochen gute Zuhörer. Auch wenn sie sich ungezwungen in Gesprächen äußern können, entsteht vielmals der Eindruck, dass sie nur passiv an Gesprächen und auch Projekten teilnehmen. Das Beobachten ist eben wichtiger als das Bedürfnis, sich zu äußern. Die Führung im Gespräch wird erst dann übernommen, wenn genug beobachtet und ausreichend Bestätigung erhalten wurde.

Menschen mit tiefliegenden Augen brauchen Zeit für sich, um Kraft zu tanken und zu regenerieren. Bevor sie unter Menschen gehen und dann sehr sozial auftreten können, müssen sie sich zurückziehen.

Spannend ist – als ich den Text geschrieben habe, musste ich ganz oft an meinen Freund denken. Er hat ganz große Augen – aber ja… Beim genauen Hinschauen liegen sie tief in den Höhlen. Lasst euch nicht täuschen…. Nicht alle kleinen Augen liegen tief in den Höhlen – auch große Augen können diese Eigenschaft aufzeigen…