„Du hast es faustdick hinter den Ohren“ – das sagt man zu Menschen, die vermutlich weniger friedliebend und streitvermeidend sind. „Rotzlöffel“ – auch ein Ausdruck für freche Kinder, die an den ein oder anderen Stellen herausfordernd für die Eltern sind.

Auch hier zeigen sich Überschneidungen von deutschen Redewendungen und dem Wissen von Gesichtlesern. Abstehende Ohren – ganz sicher fallen jedem Personen aus dem eigenen Umfeld ein. Sie waren lange Zeit Markenzeichen von Moritz Bleibtreu. Dominique Horwitz hat unverkennbare Exemplare, aber auch Ghandi trug sie.

Was sagen uns abstehende Ohren? Es sind Menschen, die gedanklich sehr wach sind und vermutlich oft eine innere Unruhe in sich verspüren. Ein bewusstes oder auch unbewusstes Bedürfnis nach Konfrontation und Opposition treibt sie an und lässt sie nach Veränderung streben. Widerstände werden hierbei in Kauf genommen und hohes Durchsetzungsvermögen verhilft ihnen zur erfolgreichen Umsetzung. Verlierend gelebt kann Widerspruch und Ablehnung in Streitsucht und Zerstörung enden. Gewinnend lebend sind es Menschen, die unabhängig und unangepasst ihr Leben gestalten, getrieben von seelischer Unruhe zu Diskussionen einladen, Individualität großschreiben und sowohl die Welt als auch sich selbst durch ausgesprochene und empfangene Kritik verändern. Es sind Menschen, die nur das machen, was sie wirklich wollen und sich lediglich selbstgewählt oder eigennützig anpassen. Auf andere zu hören und deren Ratschläge anzunehmen, gehört nicht zu einer ihrer besten Disziplinen, vielmehr hören sie genau das was sie wollen und schalten im Zweifel auf stur. Da sie stärker visuell als auditiv veranlagt sind, helfen vielleicht an den ein oder anderen Stellen schriftliche Notizen. Im Umgang mit anderen Menschen fällt es Trägern von abstehenden Ohren schwer, Bedürfnisse und Ansprüche seines Umfeldes wahrzunehmen und deren Meinung zu berücksichtigen.

Kinder mit abstehenden Ohren, haben viel Energie, tragen Erlebnishunger in sich und brauchen viel Bewegung. Oft haben sie in jungen Jahren sehr viel stärker abstehenden Ohren als später im Erwachsenenalter. Das liegt nicht nur an operativen Eingriffen sondern auch daran, dass sie im Alter eine angepasstere Lebensweise bevorzugen.

Wie sieht es aus mit Menschen, die sehr anliegende Ohren haben – also so, dass wir sie in der Frontalansicht fast gar nicht erkennen?

In diesen Fällen können wir davon ausgehen, dass wir es mit ruhigen und friedfertigen Zeitgenossen zu tun haben, die recht angepasst und taktvoll durchs Leben schreiten. Sie haben die Möglichkeit, sich schnell zu integrieren, vermeiden Konfrontationen und Streitereien und sind daran interessiert, Frieden und Harmonie in ihrem Umfeld zu erhalten. Natürlich sind sie entsprechend angenehm für die Außenwelt was ihnen die für sie wichtige Gruppenzugehörigkeit sichert. Bekannte soziale Werte werden gerne erhalten, Kompromisse zugunsten des Friedens geschlossen, gesellschaftliche Normen verinnerlicht und tendenziell eher erhaltende Maßnahmen und weniger Veränderung und Erneuerung angestrebt.

Die Gefahr bei Menschen mit stark anliegenden Ohren besteht darin, dass gegebenenfalls auch zweifelhafte Regeln eingehalten werden, die Konfliktfähigkeit eingeschränkt ist und wichtige Diskussionspunkte aufgrund einer ausgeprägten Harmonieliebe nicht zur Sprache kommen. Reformen werden aufgrund von möglichen Störpotenzial abgelehnt und Menschen außerhalb der Norm wenig respektiert.

Gewinnend gelebt sprechen wir also von ruhigen und friedfertigen Gesellen, verlierend gelebt haben wir es mit gleichgültigen und phlegmatischen Mitmenschen zu tun.

Im Umgang mit anderen können wir beobachten, dass sie gute Zuhörer sind und ein beachtliches Gespür für die Denkweise anderer Menschen haben. Dies kann unter anderem gewinnbringend in der Marketingbranche eingesetzt werden.

Wie ist Eure Wahrnehmung von Menschen mit abstehenden oder anliegenden Ohren? Findet Ihr Übereinstimmungen? Vergesst nie – dieser Aspekt ist nur einer von vielen und jeder Mensch ist individuell! Vermeidet auch hier „Schubladendenken“!